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Montag, 20. September 2021

Gerrit Junge: Erhoffe Begeisterung und Freude für die Musik

(12.12.2012) Hamburg. Am 1. und 15. Juni 2013 wird das Pop-Oratorium „Ich bin – Jesus in Wort und Wundern“ von Mitgliedern der Neuapostolischen Kirchen Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen aufgeführt. Dirigent Gerrit Junge verrät im Interview, wie es zur Idee kam, erklärt was ein Pop-Oratorium ist und informiert über die laufenden Vorbereitungen.

Gerrit Junge (39), musikalischer Berater von Bezirksapostel Rüdiger Krause (Norddeutschland), zeichnet sich für die musikalische Gesamtleitung des Pop-Oratoriums verantwortlich und wird bei den Aufführungen in Dortmund und Hamburg den Chor dirigieren, der voraussichtlich aus rund 1.500 Sängerinnen und Sängern gebildet wird. Bislang haben sich für den Chor mehr als 900 junge Christen angemeldet, davon über 500 aus Norddeutschland.

Der Musiklehrer aus Wilhelmshaven konnte bereits gute Erfahrungen als Leiter großer Chöre sammeln: 2009 dirigierte er in der LTU Arena Düsseldorf den Chor zum Europa-Jugendtag der Neuapostolischen Kirche und in diesem Jahr rund 1.200 Sängerinnen und Sänger zum Norddeutschen Jugendtag in der o2 World Hamburg. Im Gespräch zeigt sich der Musiker voller Vorfreude und sieht den musikalischen wie organisatorischen Herausforderungen optimistisch entgegen.

(Das Interview wurde in der Zeitung zum Norddeutschen Jugendtag 2012 veröffentlicht.)

Was ist ein Pop-Oratorium?

Ein Oratorium im klassischen Sinn ist ein größeres Werk für Chor, Orchester und Solisten. Es sagt erst einmal nichts über eine bestimmte Stilistik aus. Das Pop-Oratorium hingegen legt sich bereits in seiner Bezeichnung auf populäre Musik fest. Dabei reicht die Bandbreite von Pop, Rock, Rhythm'n'Blues, Gospel und Jazz bis hin zu Cross-Over-Stücken mit klassischer Nähe. Allerdings wird die gewählte Begrifflichkeit stark gedehnt. Denn neben musikalischen Elementen wird es schauspielerische Episoden geben, sodass das Pop-Oratorium zwar eine konzertante Anlage hat, aber durchaus auch Musical-Elemente enthält. 

Man kennt Klassik-Oratorien. Gibt es auch andere Pop-Oratorien?

Das derzeit bekannteste Pop-Oratorium ist "Die zehn Gebote" von Michael Kunze und Dieter Falk. Es läuft seit mehreren Jahren mit riesigem Erfolg.

Was ist der Inhalt des Pop-Oratoriums „Ich bin“?

Die Rahmenhandlung des Oratoriums spielt in einer Kunstgalerie, in der ein Galerist einen Besucher durch eine Ausstellung führt, die sich mit Bildern aus dem Leben und Wirken Jesu beschäftigt. Nach einem entsprechenden Dialog tauchen die beiden in die dargestellte Szene ein, die dann zum Beispiel eine Wundertat oder eines der "Ich-bin"-Worte darstellt. Dieses Eintauchen erfolgt durch Musik vom Chor, Orchester, der Band oder den Solisten.

Wer hatte die Idee zum Pop-Oratorium? Und wie ist er oder sie darauf gekommen?

Die Idee hängt unmittelbar mit dem Pop-Oratorium "Die zehn Gebote" zusammen. Ursprünglich war unsere Absicht, eine Aufführung dieses Stückes für das Jubiläumsjahr 2013 mit dem Jugendchor der Neuapostolischen Kirche Norddeutschland zu organisieren. Die Rechteinhaber haben aber für das Jahr 2013 keine Aufführung gestattet, weil das Werk in der Schweiz als Musical inszeniert wird und zeitgleich keine konzertanten Aufführungen stattfinden dürfen. Daraufhin habe ich Bezirksapostel Krause vorgeschlagen, dass wir ein eigenes Oratorium machen. Dass es sich dabei rund um das Wirken Jesu handeln sollte, stand für mich sofort fest. Auch die Grundkonzeption hatte ich schnell im Kopf. Anfangs hatte ich sogar noch daran gedacht, das Textbuch selbst zu schreiben. Davon bin ich aber – glücklicherweise – schnell wieder abgekommen. Stattdessen haben wir in Jürgen Deppert einen Texter gefunden, der unsere Grundideen aufgenommen hat und um die Idee der berühmten „Ich-bin“-Worte Jesu erweitert hat. Er hat es geschafft, ein Libretto zu schreiben, dass natürlich nicht alle Einzelheiten aus dem Leben Jesu darstellt, aber einen dramaturgisch sinnvollen Bogen bildet und viele Facetten aus dem Schaffen und Wirken des Gottessohnes zeigt.

Warum wird das Pop-Oratorium von dem Jugendchor der Neuapostolischen Kirche Norddeutschland aufgeführt?

Wir haben das große Glück, seit ein paar Jahren einen unglaublich motivierten und ambitionierten Jugendchor zu haben. Im Rahmen des Kirchenjubiläums, das wir nächstes Jahr feiern werden, war es unser Ziel, einerseits diesen Chor vor eine besondere Herausforderung zu stellen und ihm ein attraktives musikalisches Angebot zu bieten, andererseits möchten wir einmal mit diesem tollen Chor ganz gezielt an die Öffentlichkeit gehen. Toll ist außerdem, dass Bezirksapostel Krause mit Bezirksapostel Brinkmann aus Nordrhein-Westfalen besprochen hat, dass das Pop-Oratorium ein gemeinsames Projekt der Neuapostolischen Kirchen Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen werden soll, was dem Ganzen noch die Krone aufsetzt. Wir dürfen uns also auf hunderte weitere Sängerinnen und Sänger freuen – und auf das Jugendsinfonie-Orchester der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen.

Pop und Neuapostolische Kirche – passt das zusammen?

Ich denke, die Neuapostolische Kirche ist eine moderne und offene Kirche. Und es ist in meinen Augen durchaus legitim, dass wir uns musikalisch mit der grandiosen Persönlichkeit Jesus Christus beschäftigen. Ich plädiere in alle Richtungen für musikalische Toleranz. In meinem Berufsalltag als Musiklehrer hat das eine hohe Priorität und ich erlebe immer wieder, dass der Zugang zu komplexen musikalischen Sachverhalten häufig ein Türöffner sein kann, der es ermöglicht, bestimmte Aspekte zu beleuchten. Ich möchte keine Diskussion über Wertigkeit von Musik oder Musikstilen führen, erhoffe mir aber Begeisterung und Freude für die Musik und letztlich für die inhaltliche Botschaft des Werkes.

Wie wird das Pop-Oratorium finanziert?

Zugegeben, das Projekt ist ein umfangreiches Vorhaben, das auch hohe Kosten mit sich bringt. Wir sind mit großer Akribie dabei, die Kosten sorgfältig im Auge zu behalten und bemühen uns auch um eine wirtschaftlich akzeptable Realisierung. Dass die Kosten auch über Eintrittskarten für die Aufführungen gestemmt werden müssen, das steht definitiv fest. 

Wer darf beim Pop-Oratorium mitmachen? Wie viele Mitwirkende werden erwartet?

Ich bin bei Einschätzungen über Zahlen von Mitwirkenden immer eher etwas zurückhaltender und lass mich dann gerne im Nachhinein überraschen. Ich denke aber, dass wir mindestens mit 1.500 Mitwirkenden rechnen können. Mitwirkende sind Sängerinnen und Sänger im jugendlichen Alter, die Jugendchorleiter und Jugendbetreuer. Eine weitere Ausdehnung halte ich im Augenblick nicht für sinnvoll.

An wen richtet sich das Pop-Oratorium? Wie viele Zuhörer werden erwartet?

Die Hallen haben ein großes Fassungsvermögen. Wir kalkulieren etwa mit insgesamt 20.000 Besuchern. Natürlich sprechen wir über die Mitwirkenden Freunde und Familien an, darüber hinaus aber auch die Mitglieder der Neuapostolischen Kirchen Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen. Der Bischoff Verlag plant über seinen Reiseservice Busreisen aus verschiedenen Teilen Deutschlands anzubieten. Außerdem werden die Konzerte in der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Zielgruppe ist sicherlich in erster Linie ein jüngeres Publikum, aber nicht ausschließlich. Ich kann mir gut vorstellen, dass ältere Menschen ebenso Gefallen an dem bunten Mix der Musik finden werden.

Mehr Informationen zum Pop-Oratorium sind auf der offiziellen Internetseite www.wort-und-wunder.de nachzulesen.

Interview: Susanne Preußler

Text und Fotos: Björn Renz